Steuerberater (Ausbildung)

Viele Wirtschaftsberater suchen qualifizierte Mitarbeiter oder Praktikanten. Fündig werden sie selten. Wieso verschmähen junge Menschen diesen Beruf?

Große Leistungsnachfrage, aber akute Nachwuchssorgen

Wirtschaftsberater, wie die Wirtschaftsprüfer und Steuerberater allgemein genannt werden, sind Mangelware am deutschen Arbeitsmarkt – und Nachwuchs gibt es in vielen Teilen Deutschlands weit weniger, als benötigt wird. Ganz offensichtlich genügen die ins Berufsalbum in den jeweiligen Bundesländern eingetragenen Experten nicht, um die Kunden zu beraten und all das für sie zu erledigen, was ihnen der Gesetzgeber an Pflichten aufhalst.

Selbst viele gut etaiblierte Steuerberater bezeichnen die Situation unumwunden als problematisch und verweisen darauf, dass es heute in ihrer Berufssparte nur noch halb so viele Praktikanten gibt wie noch vor wenigen Jahren. Dieses schwache Interesse an einem Beruf, der gute Karrierechancen bietet, führt er nicht darauf zurück, dass Praktikanten wenig verdienen, wie oft angemerkt wird. „Die Löhne sind nicht zu niedrig, insbesondere angesichts der Tatsache, dass die Auszubildenden trotz eines Wirtschaftsstudiums mit Master-Abschluss von der Materie, mit der sie sich zu befassen haben, nur sehr wenig wissen und deshalb längere Zeit viel zu lernen haben und kaum eine Hilfe sind. Es ist einfach so, dass die Uni-Abgänger in Deutschland relativ leicht eine Stelle finden, die ihnen mehr zusagt, weil sie weniger Einsatz und Opfer verlangt. Bei uns geben die Termine den Rhythmus vor, und es gibt Monate, wo wir ungemein viel arbeiten müssen.
“Ich habe lange Zeit an die sechs Monate im Jahr immer auch samstags gearbeitet, und diese starke Beanspruchung schreckt manche jungen Menschen einfach ab,“ meint dazu einer der befragten Steuerberater. Dazu komme, dass die vorgeschriebene Staatsprüfung den Kandidaten viel abverlangt und viele einmal oder auch mehrere Male daran scheitern, weil sie sich zu wenig darauf vorbereiten. Darüber hinaus müssten sich Wirtschaftsprüfer und Steuerberater ständig über Neuerungen informieren und sich fortbilden, denn es werden laufend neue Bestimmungen erlassen, über die Bescheid zu wissen unumgänglich ist.

Ein anderer ehemaliger Steuerberater, welcher in die Privatwirtschaft gewechselt ist, sieht in der Beanspruchung, die dieser Beruf stellt, das größte Hindernis für den Nachwuchs. „Die Arbeit“, sagt er, „ist anspruchsvoll, und es gilt, eine längere Durststrecke in Kauf zu nehmen, bis man die notwendigen umfangreichen Kenntnisse besitzt und gute Verdienstmöglichkeiten hat. Dazu kommt, dass viele von den aktiven Steuerberatern wegen des Mangels an Fachkräften und Nachwuchs auch zeitlich über Gebühr gefordert sind und ihr Privatleben teilweise dem Job opfern müssen. Viele junge Menschen sind nicht bereit, sich beruflich derart stark zu engagierten, und wählen andere Wege.“

Vertreter der Berufskammern der Deutschen Steuerberater verweisen darauf, dass bereits erste Maßnahmen getroffen worden sind, um die Lage zu entschärfen. An diversen Universitäten gebe es bereits Studiengänge welche spezifisch in Sachen Steuerrecht auf das Berufsbild des Wirtschaftsberaters abzielen und mit der praktischen Ausbildung eng vernetzt sind.

Inhalt und Ausrichtung des Berufspraktikas des Steuerberaters

Primäre Aufgabe der Praktikanten ist es, sich durch Mitarbeit, Studium und Sammeln von Erfahrungen im Freiberuflerbüro so zu bilden, dass sie die vorgeschriebenen Staatsexamen zur selbstständigen Ausübung des Freiberufes bestehen können. Dies bedingt aber auch eine ständige Mitarbeit, welche nach einer ersten Einarbeitungszeit auch dem Freiberufler/der Freiberuflerin Arbeit abnimmt und ihm/ihr Vorteile bringt. Neben der regelmäßigen Mitarbeit in einem Büro bzw. Steuerberatungskanzlei soll auch ein weiteres Ziel erreicht werden, nämlich die Möglichkeit zum Ablegen der Prüfung, die zur Eintragung in das entsprechende Berufsverzeichnis berechtigt. Die Mindestdauer des Praktikums beträgt sechs Monate.

Das Staatsexamen zur Eintragung ins Berufsalbum

Die notwendigen Vorbereitungen hierfür, darüber sind sich alle einig, sind sehr intensiv und durch den Besuch eines entsprechenden universitären Ausbildungskurses an vielen Wochenenden können sich die Praktikanten viel zusätzliches Wissen angeeignen, sodass eine derart hohe sogenannte Durchfallqoute mancherorts schwer nachvollziehbar sei.
Und die Vermutung, dass es ein Interesse gibt, so viele Kandidaten wie nur möglich durch die Prüfung fallen zu lassen, sei – laut Vertretern der Berufskammer der Deutschen Steuerberater – aus der Luft gegriffen. Das Gegenteil sei der Fall: Die Steuerberater würden es begrüßen, wenn alle die Prüfung schafften, weil sie dann mehr Mitarbeiter hätten und mehr Nachwuchs. Aber wenn die Leistungen bei der Prüfung nicht stimmen, bleibe keine Wahl, denn es sei gegenüber den Kunden unverantwortlich, eine Eintragung in die Kammer zu ermöglichen, ohne dass die Anwärter das absolut nötige Fachwissen nachweisen können.