Einnahme-Überschuss-Rechnung

Die sogenannte Einnahme-Überschuss-Rechnung gem. § 4 Absatz 3 EStG stellt eine vereinfachte Art der Gewinnermittlung dar. Hierbei werden alle durch den Betrieb veranlassten Einnahmen und Ausgaben gegenüber gestellt. Die gesetzlichen Regelungen zu dieser Gewinnermittlungsart befinden sich in den Paragraphen 2-7, 12-14, 18 des Einkommensteuergesetzes sowie in § 60 Absatz 4 der Einkommensteuer-Durchführungsverordnung.

Zur Einnahme-Überschuss-Rechnung berechtigt sind Steuerpflichtige, die nicht bereits aufgrund gesetzlicher Vorschriften verpflichtet zur Führung von Büchern sind bzw. die freiwillig keine Bücher führen. Personen, die Einkünfte aus selbstständiger Tätigkeit beziehen, wie zum Beispiel Freiberufler, Ärzte, Physiotherapeuten, etc. sind unabhängig von der Höhe des Gewinns nicht buchführungspflichtig. Kraft Gesetztes buchführungspflichtig sind Kaufleute, deren Gewinnhöhe 50.000,00 Euro oder Umsatzhöhe 500.000,00 Euro pro Jahr übersteigt. Diese Personen müssen eine Bilanz erstellen, das heißt einen Betriebsvermögensvergleich gem. §4 Absatz 1 oder 5 EStG ermitteln. So sind Personengesellschaften, Kapitalgesellschaften und Genossenschaften stets zur Buchführung verpflichtet.

Vom Grundsatz her ist die Einnahmen-Überschuss-Rechnung eine einfache Geldverkehrsrechnung. Im Sinne des § 11 EStG sind dabei vorrangig der Zu- und Abflüsse von Einnahmen und Ausgaben festzuhalten. Hieraus ergibt sich die vereinfachte Form der Belegführung: Die Kaufleute sind verpflichtet die Betriebseinnahmen aufzustellen und die Belege der Betriebsausgaben zu sammeln, das Führen eines Kassenbuches sowie einer Inventur sind dabei nicht erforderlich. Allgemein spielen die entstandenen Zahlungsverpflichtungen wie Forderungen oder Verbindlich-keiten keine Bedeutung. Da es somit verstärkt auf den tatsächlichen Cash-Flow ankommt, bietet die Einnahme-Überschuss-Rechnung dem Steuerpflichtigen neben den Aufzeichnungserleichterungen den Vorteil, dass er den Gewinn durch Verlagerung der Zahlungen in andere Wirtschaftsjahre beeinflussen kann. Dieser wirkt sich auf die Höhe der Steuerbelastung aus, wird von der Finanzverwaltung in der Regel jedoch nicht als rechtsmissbräuchlich aufgefasst. Möglichkeiten der Gewinnverlagerung sind Vorauszahlung, Vorschussleistung oder auch Stundung eines Rechnungsbetrags.

Die allgemeinen Gewinnermittlungsgrundsätze bezüglich der Definition der Begriffe Betriebseinnahmen und -ausgaben gelten auch für die Einnahme-Überschuss-Rechnung. Notwendiges Betriebsvermögen liegt demnach bei Wirtschaftsgütern vor, deren Anschaffung bzw. Herstellung durch den Betrieb veranlasst ist. Bei Bestehen eines betrieblichen Zusammenhangs lässt die Rechtsprechung auch bei dieser vereinfachten Form der Gewinnermittlung gewillkürtes Betriebsvermögen zu.
Durch unterschiedliche Zahlungsflüsse führt die Einnahme-Überschuss-Rechnung im Gegensatz zum Betriebsvermögensvergleich häufig zu wirtschaftlich unzutreffenden Periodengewinnen, da hier nicht auf die wirtschaftliche Zugehörigkeit, sondern auf die Zahlung abgestimmt wird. Der Totalgewinn, also die Summe sämtlicher Gewinne vom Beginn bis zum Ende des Betriebes sind allerdings identisch.
Beispiel zum Unterschied von Bilanzvermögensvergleich und Einnahme-Überschuss-Rechnung: Im Jahr 01 werden Waren für 100 EUR eingekauft, die im Jahr 02 für 150 EUR verkauft werden. Beim Betriebsvermögensvergleich ergibt sich nur im Jahr 02 eine Bestandsmehrung von 50 EUR; bei der Einnahme-Überschuss-Rechnung sind im Jahr 01 Betriebsausgaben von 100 EUR, im Jahr 02 Betriebseinnahmen über 150 EUR zu erfassen. Obwohl sich die Gewinne im Jahre 01 und 02 unterscheiden, beläuft sich die gesamte Gewinnauswirkung in beiden Fällen auf 50 EUR.

Grundsätzlich enthält das Einkommensteuergesetz keine ausdrückliche allgemeine Aufzeichnungspflicht für Betriebseinnahmen und Betriebsausgaben. Der Steuerpflichtige kommt jedoch trotzdem nicht ohne Belege und Aufzeichnungen aus. Er muss auf Anforderung des Finanzamtes die erklärten Betriebseinnahmen erläutern und insbesondere die angefallenen Betriebsausgaben in ihrer Höhe und betrieblichen Veranlassung im Einzelnen darlegen und ggf. glaubhaft machen. Dafür genügt eine geordnete Ablage von Belegen oder die Speicherung auf Datenträger. Eine Belegsammlung, in der alle Ausgaben mit genauer Bezeichnung der Art der Aufwendung und des Betrags ist daher unabdingbare Grundlage für die Steuererklärung.
Für Wirtschaftsjahre, die nach dem 31.12.2004 beginnen, hat das BMF für Steuerpflichtige mit Betriebseinnahmen über 17.500 Euro einen amtlichen Vordruck “Einnahmen-Überschussrechnung – EÜR” vorgeschrieben, der der Steuererklärung beizulegen ist. Dabei ist auch die Entwicklung des Anlagevermögens sowie im Falle der Überentnahmen die Ermittlung der nicht abzugsfähigen Schuldzinsen beizufügen.
Ein Wechsel zum Betriebsvermögensvergleich ist zu Beginn eines jeden Wirtschaftsjahres möglich, soweit der Steuerpflichtige nicht willkürlich aus steuerlichen Gründen hin- und herschwankt.