Gewerbesteuer (Selbstständige)

Wer in Deutschland selbstständig tätig ist, muss Gewerbesteuer zahlen. Dies gilt sowohl für Personengesellschaften als auch für Kapitalgesellschaften, selbst Einzelunternehmen sind davon betroffen. Die Gewerbesteuer stellt für deutsche Kommunen die wichtigste Einkommensquelle dar und wird damit begründet, dass die Ansiedlung eines Unternehmens Kosten verursache, die vom Verursacher beglichen werden müssten.
Die Gewerbesteuer wird auf Grundlage des Gewerbesteuergesetzes (GewStG), der Gewerbesteuer-Durchführungsverordnung sowie allgemeiner Richtlinien der Verwaltung erhoben. Die Höhe der Gewerbesteuer ist bundesweit nicht einheitlich, sondern variiert von Kommune zu Kommune.

Bemessungsgrundlage

Alle Gewerbebetriebe werden besteuert. Freiberufler und andere nicht gewerblich Selbstständige sind von der Gewerbesteuer ausgenommen. Gemäß § 11 Abs. 1 Nr. 1 GewStG gilt für Personengesellschaften und natürliche Personen ein jährlicher Freibetrag in Höhe von 24.500 Euro. Auch Vereine unterliegen der Gewerbesteuerpflicht, haben jedoch einen Freibetrag von 5000 Euro im Jahr. Kapitalgesellschaften kommen nicht in den Genuss eines Freibetrags und sind vom ersten Euro an gewerbesteuerpflichtig. Einzelunternehmer und Personengesellschaften sind auch andererseits bevorzugt: Diese dürfen sich die gezahlte Gewerbesteuer zum Teil auf die Einkommenssteuer anrechnen lassen. Damit wird die Gewerbesteuer erst ab einem Hebesatz von 380 % zur realen Belastung.
Die Gewerbesteuer wird auf Grundlage des erwirtschafteten Ertrags berechnet. Dieser Gewerbeertrag stellt den nach Einkommenssteuergesetz bzw. Körperschaftssteuerrecht ermittelten Gewinn dar.

Hebesatz

Jede Kommune erhebt unterschiedliche Gewerbesteuersätze. Gemäß § 16 Abs. 4 Satz 2 GewStG beträgt der Mindest-Hebesatz jedoch 200 %. In der Regel sind die Hebesätze in großen Städten höher als in kleinen Gemeinden. Aus diesem Grund sind die Firmensitze vieler deutscher Konzerne in kleinen Provinzstädten und -gemeinden zu finden. Die Höhe des Hebesatzes muss im Vorfeld von der Gemeinde gut überlegt werden, denn ist der Satz zu hoch, kann es zu einer Abwanderungswelle von Unternehmen kommen. Ist der Satz jedoch niedrig, generiert die Gemeinde trotz vieler angesiedelter Unternehmen viel zu wenig Steuern und ist somit aufgrund geringer Einnahmen nicht handlungsfähig. Dies wirkt sich beispielsweise auch auf die Infrastruktur einer Gemeinde aus. Die Gewerbesteuer wird in der Regel von der zuständigen Gemeinde erhoben, nur in den Stadtstaaten ist hierfür das Finanzamt zuständig.
Im Jahre 2010 lag der durchschnittliche Hebesatz in den deutschen Gemeinden bei 435 %, wobei die Spanne zwischen dem gesetzlichen Mindestsatz von 200 % und dem von großen Städten mit zahlreichen angesiedelten Unternehmen erhobenen Satz von 490 % sehr weit auseinanderliegt.
Für den Fall, dass ein Unternehmen mehrere Betriebsstätten hat, wird die Gewerbesteuer auf die betreffenden Gemeinden aufgeteilt. Es muss also nicht für jede Betriebsstätte der volle Betrag gezahlt werden. Berechnet wird die jeweils fällige anteilige Höhe der Gewerbesteuer nach der Zahl der Mitarbeiter in einem Betrieb.
Übrigens muss die Gemeinde einen Teil der eingenommenen Gewerbesteuer als sogenannte Gewerbesteuerumlage an den Bund abführen.

Gewerbesteuer für Selbstständige

De facto wird die Gewerbesteuer für Selbstständige erst ab einem Hebesatz von 380 % zu einer echten Betriebsausgabe. Zuvor kann sie gemäß § 35 EStG auf die Einkommenssteuer angerechnet werden und wird somit zur faktischen Einkommenssteuervorauszahlung. Genau wie die Einkommens- und Umsatzsteuererklärung muss die Gewerbesteuererklärung bis zum 31. Mai des Folgejahres eingereicht werden. Ansonsten ist die Gewerbesteuer vierteljährlich fällig: Immer zum 15. Februar, 15. Mai, 15. August und 15. November muss der Unternehmer jeweils ein Viertel der Steuerschuld im Voraus für das kommende Jahr zahlen.
Bei der Neugründung eines Unternehmens sollte man hinsichtlich der Wahl der Rechtsform auch die Belastung durch die Gewerbesteuer berücksichtigen. Kapitalgesellschaften beispielsweise genießen keine Vorzüge durch eine Anrechenbarkeit der Gewerbesteuer auf die Einkommenssteuer oder etwaige Freibeträge. Somit kann der Unterschied zwischen einem Einzelunternehmen oder einer Personengesellschaft zu einer Kapitalgesellschaft in puncto Gewerbesteuerbelastung leicht mehrere Tausend Euro betragen – und das bei einem angenommenen gleichen Gewinn und dem identischen Hebesatz. Eine Sparmöglichkeit für Kapitalgesellschaften eröffnet sich etwa durch die Ansiedlung des Unternehmens in einer Gemeinde mit niedrigem Hebesatz.