Abgeltungssteuer

Die Abgeltungssteuer ist eine Quellensteuer auf Kapitalerträge und damit eine Erhebungsform der Einkommensteuer. In Österreich wurde diese Form der Steuer bereits im Jahr 1993 eingeführt, in Deutschland werden Kapitalerträge seit dem Jahr 2009 auf diese Weise besteuert. Neben den Kapitalerträgen sind auch Veräußerungsgewinne hiervon betroffen.

Einführung der Abgeltungssteuer

Die Abgeltungssteuer geht auf das Unternehmenssteuerreformgesetz von 2008 zurück und wurde am 1. Januar 2009 rechtskräftig. Seitdem werden alle Kapitalerträge und Veräußerungsgewinne mit einem einheitlichen Steuersatz belastet. Gültigkeit hat die Steuer dabei für private Erträge. Der Gesetzgeber hat mit dieser Reform einen Wechsel von der dualen Einkommensteuer hin zu synthetischen Einkommensteuer vollzogen. Darunter ist zu verstehen, dass hinsichtlich des Steuersatzes nicht mehr zwischen den Erwerbs- und Kapitaleinkommen unterschieden wird. Diese Vereinheitlichung hat damit eine Vereinfachung der Steuergesetzgebung in diesem Bereich mit sich gebracht.

Umfang und Höhe der Abgeltungsteuer

Von der Abgeltungsteuer sind eine ganze Reihe von Einkunftsarten betroffen. Hierzu gehören alle Einkünfte aus Kapitalvermögen und damit auch private Veräußerungsgewinne, Stillhaltergeschäfte und Zahlungen aus Wertpapieren sowie Derivaten. Ausgenommen von der Steuer sind hingegen Zahlungen aus Währungsgeschäften und auch aus solchen Derivaten mit physikalischer Auslieferung von Währung, die im Moment der Ausübung vorgenommen wird. Eine wichtige Änderung der bisherigen Regelungen ist bspw. darin zu sehen, dass nun auch Spekulationsgeschäfte mit einer Haltedauer von mehr als einem Jahr steuerpflichtig sind. Die Höhe der Abgeltungssteuer ist in § 43a Abs. EStG festgelegt und beträgt 25 Prozent. Hinzu kommt der Solidaritätszuschlag in Höhe von 5,5 Prozent und gegebenenfalls die Kirchensteuer in Höhe von 8 oder 9 Prozent der Abgeltungsteuer. Wird angenommen, dass der Steuerpflichtige keine Kirchensteuer entrichten muss, ist daher mit einer Gesamtbelastung von 26,375 Prozent zu rechnen.

Realisierung des Steuerabzugs in der Praxis

Die Abgeltungsteuer ist als Quellensteuer nicht im Rahmen der Einkommensteuer zu entrichten, sondern wird von den Kreditinstituten direkt abgezogen. In der Praxis wird die Steuer also von den Banken selbst an die Finanzverwaltung abgeführt. Hierzu werden die Kreditinstitute vom Gesetzgeber verpflichtet. Bei den Banken können die von der Abgeltungsteuer betroffenen auch einen Freistellungsauftrag erteilen, der jedoch nur für solche Erträge Gültigkeit hat, die nicht im Tafelgeschäft abgewickelt werden. Bei den Tafelpapieren handelt es sich um Wertpapiere, die sich der Kunde effektiv aushändigen lässt und selbst verwahren möchte. Der Pauschbetrag hat dabei eine Höhe von 801 Euro, bei Ehegatten 1.602 Euro.

Das sind die steuerpflichtigen Veräußerungsgeschäfte

Komplizierter wird die Betrachtung der Abgeltungsteuer bei den Veräußerungsgeschäften. Diese können in der Praxis sehr vielfältig sein und wurden im § 20 Abs. 2 EStG neu gefasst. Der Steuer unterliegen seit der Reform Veräußerungen von Anteilen an Körperschaften, zu denen Aktien und Geschäftsanteile gehören, die Veräußerung von Kupons, zu denen Dividenden und Zinsscheine gehören und auch Gewinne aus Termingeschäften. Ebenfalls betroffen sind die Verkäufe von Anteilen an stillen Gesellschaften oder patriarischen Darlehen. Doch auch Rechteübertragungen, wie sie etwa bei Hypotheken, Grundschulden und Renten vorkommen sind steuerpflichtig im Rahmen der Abgeltungsteuer. Schließlich werden auch solche Veräußerungen miteinbezogen, die sich im Zusammenhang mit Kapitallebensversicherungen und sonstigen Kapitalforderungen ergeben. Ausnahmen von diesen Regelungen ergeben sich bspw. für Dachfonds. Ein Wechsel des Fonds innerhalb der Gruppe des Dachfonds löst kein Besteuerungsereignis aus. Die Abgeltungsteuer ist erst dann zu entrichten, wenn der Dachfonds selbst verkauft wird. Werbungskosten lassen sich hingegen nicht ansetzen, es werden jedoch die direkten Kosten für Transaktionen berücksichtigt, die in der Transaktion selbst berechnet werden.

Weitere Ausnahmen vom Steuerabzug

Ebenfalls nicht betroffen von der Steuer sind Steuersatzspreizungen, Veräußerungen von Anteilen an einer Kapitalgesellschaft nach § 17 EStG, die zu den Einkünften aus Gewerbebetrieb zählen und Kapitalerträge im Rahmen gewerblicher Betätigungen. Bei diesen und weiteren Ausnahmen wird nicht der Steuersatz von 25 Prozent angewendet, sondern der jeweilige persönliche Steuersatz im Rahmen der Einkommensteuer.