Erbschaftssteuer

Die Erbschaftssteuer haben Erben im Falle eines Vermögenserwerbs wegen Todes zu zahlen. In Deutschland bemessen sich die Höhe der Erbschaftssteuer wie der Freibeträge nach der Erbrangfolge und der Größe des zu vererbenden Vermögens. Unter das Erbschafts- und Schenkungssteuergesetz fällt auch die Schenkungssteuer, die bei Zuwendungen unter Lebenden anfällt. Die Erbschaftssteuer wurde 1906 eingeführt und zwischen 1919 und 1922 entsprechend der heutigen Struktur reformiert.

Regelungsumfang

Die Erbschaftssteuer ist als Erbanfallsteuer ausgelegt, d.h. sie erfasst nicht das vom Erblasser hinterlassene Gesamtvermögen, sondern nur den tatsächlichen Erwerb der Erben, Vermächtnisnehmer und Pflichtteilberechtigten. Um zu verhindern, dass die Erbschaftssteuer durch Schenkungen zu Lebzeiten umgangen werden kann, ist die Schenkungssteuer in demselben gesetzlichen Rahmen gleichlautend zur Erbschaftssteuer geregelt. Die Erbschaftssteuer ist eine Landessteuer, aber nach Bundesgesetz einheitlich geregelt. Das Erbschafts- und Schenkungssteuergesetz umfassen folgende Steuergegenstände: 1. Erbschaft und Vermächtnis, 2. Schenkungen unter lebenden Personen, 3. Zweckgebundene Zuwendungen, 4. Stiftungs- und Vereinsvermögen, sofern dieses familiären Zwecken dienen.

Steuerbefreiungen

Folgende Gegenstände und Zuwendungen sind von der Erbschafts- und Schenkungssteuer befreit: 1. Der Hausrat, sofern sein Wert nicht 41.000 Euro überschreitet. 2. Grundbesitz, Kunstgegenstände, künstlerische und wissenschaftliche Sammlungen, Archive und Bibliotheken, sofern ihre Kosten die aus ihnen erzielten Einnahmen überschreiten und ihre Erhaltung im öffentlichen Interesse liegt. 3. Grundbesitz, der für die Wohlfahrt der Allgemeinheit zur Verfügung gestellt wird. 4. Zuwendungen unter lebenden Personen, die zur Ausbildung oder zum Unterhalt des Empfängers dienen. 5. Gelegenheitsgeschenke. 6. Zuwendungen für gemeinnützige, kirchliche und mildtätige Zwecke. 7. Parteispenden. 8. Selbst genutzter Wohnraum, wenn er unter Familienangehörigen verschenkt oder vererbt wird und sich im betreffenden Gebäude eine selbstgenutzte Wohnung befindet.

Vererbung betrieblicher Vermögen

Auch die Vererbung betrieblicher Vermögen ist seit 2008 unter bestimmten Bedingungen von der Erbschaftssteuer befreit. Bei der Einhaltung einer mindestens fünfjährigen Weiterführungspflicht sind nur 85 Prozent des Betriebsvermögens erbschaftssteuerpflichtig. Der Erbberechtigte kann die Weiterführungspflicht auf 7 Jahre verlängern, um eine vollständige Befreiung von der Erbschaftssteuer zu erreichen.
Steuerklassen
Das Erbschafts- und Schenkungssteuergesetz teilt die Erbberechtigten in Steuerklassen ein, die bei der Ermessung der Höhe der Erbschaftssteuer herangezogen werden. Zur Steuerklasse I zählen die engsten Verwandten: Lebenspartner, Ehegatten, Kinder und Stiefkinder, Eltern und Voreltern. Die Steuerklasse II umfasst Geschwister, Nichten und Neffen, Stief- und Schwiegereltern, Schwiegerkinder und geschiedene Ehepartner. Alle übrigen Erbberechtigten wie Freunde und Lebensgefährten sind der Steuerklasse III zuzuordnen.

Bemessung und Höhe der Erbschaftssteuer

Bemessung und Höhe der Erbschaftssteuer richten sich nach der Steuerklasse und dem Wert des hinterlassenen Vermögens abzüglich der Freibeträge. Diese betragen für Ehegatten und Lebenspartner 500.000 Euro, für Kinder 400.000 Euro, Enkel 200.000 Euro und Eltern 100.000 Euro. Für die Steuerklassen II und III gilt ein pauschaler Freibetrag von 20.000 Euro. Grundsätzlich gilt: je niedriger die Steuerklasse (d.h. je enger das verwandtschaftliche Verhältnis) und je niedriger der Vermögenswert, desto geringer fällt der Erbschaftssteuersatz aus. Beispielsweise zahlen Ehegatten und Lebenspartner bei Vermögen bis zu 75.000 Euro nur einen Steuersatz von 7 Prozent, der sich in Stufen bis zu einem Vermögenswert 26 Millionen auf 27 Prozent erhöht. Je höher die Steuerklasse und je höher der Vermögenswert, desto höher fällt auch der Steuersatz aus. So zahlen Erben der Steuerklasse III auf 75.000 Euro bereits einen Steuersatz von 30 Prozent, der sich bis zu einem Vermögenswert von 13 Millionen Euro schrittweise auf 50 Prozent erhöht. Erben der Steuerklasse II müssen einen Erbschaftssteuersatz zwischen 15 Prozent (ab 75.000 Euro) und maximal 43 Prozent (ab 26 Millionen Euro) entrichten. Diese aktuellen Werte gelten seit Januar 2010. Überschreiten eine Erbschaft oder eine Schenkung nur knapp den Schwellenwert zu einem nächsthöheren Steuersatz, treten Härtefallregelungen in Kraft. Sie sollen verhindern, dass der Erbe bei einer geringfügig größeren Hinterlassenschaft über Gebühr steuerlich belastet wird.