Gutachtertätigkeiten

Gutachten können von Steuerberatern für verschiedenste Zwecke angefertigt werden. Beispielsweise können dies Gutachten über korrekte oder inkorrekte Abrechnungen durch Insolvenzverwalter sein. Es kann um Konkursdelikte gehen, für die ein Gutachten erstellt werden muss. Auch so genannte Sonderprüfungen können vorkommen.

Wozu dienen Gutachten?

Gutachten können zu einem wichtigen Bewertungskriterium vor allem in Streitfällen werden. Ein Steuerberater kann durch einen Mandanten, eine Rechtsanwaltskanzlei, die Staatsanwaltschaft oder auch ein Gericht damit beauftragt werden, zu einem bestimmen Sachverhalt ein Gutachten anzufertigen. Bestellt wird immer ein besonders fachkundiger Gutachter, der sich mit der Materie bestens auskennt. Steuerberater verfügen über Fachwissen in vielen Kontexten, beispielsweise in Sachen Bilanzen, Buchführung oder Steuerangelegenheiten. Mit Hilfe eines Gutachtens könnte man beispielsweise Schadenersatzansprüche vor Gericht durchsetzen oder den eingetretenen Schaden genauer beziffern. Gutachten durch Steuerberater – die ja in Finanzangelegenheiten spezielle Kenntnisse mitbringen – können auch in Angelegenheiten wie einer Unternehmensnachfolge Aufschluss darüber geben, ob die Investition in eine Sanierung sich rentieren wird. In Insolvenzverfahren und gelegentlich auch in Privatinsolvenzen werden solche Gutachter durch das Insolvenzgericht hinzugezogen. Beurteilt werden sollen in solchen Fällen die Vermögensverhältnisse, die aktuelle und zu erwartende Ertrags- oder Finanzlage eines Unternehmens, gelegentlich auch deren Ursachen. Der Ausblick auf die künftige Entwicklung eines Unternehmens kann dem Gericht oder Auftraggeber wichtige Informationen geben. Je mehr Fakten, Daten und Zahlen ein Steuerberater für ein Gutachten zur Verfügung hat, desto akkurater kann es ausfallen. Dennoch sind alle Gutachten – auch wenn sie auf Daten, Fakten und Zahlen beruhen – Auslegungs- und Interpretationssache. So kann beispielsweise ein anderer Gutachter zu genau gegenteiligen Ergebnissen kommen. Dies kann der Fall sein, weil dem Zweitgutachter andere Zahlen zur Verfügung stehen, aber auch, weil er andere Zusammenhänge sieht und miteinander in Verbindung bringt. Wenn ein Insolvenzgericht die gutachterliche Tätigkeit eines Steuerberaters verlangt, kann es auch um die Prüfung eines bereits erstellten Insolvenzplanes gehen. Das Insolvenzgericht hat keine speziellen Kenntnisse in Zusammenhängen, die für Steuerprüfer Alltagsgeschäft sind. Dank des Gutachtens einer qualifizierten Person kann das Insolvenzgericht aber ohne betriebswirtschaftliche Spezialkenntnisse einen Insolvenzplan beurteilen. Seine Akzeptanz oder Ablehnung berufen sich dann auf das Gutachten des Steuerberaters.

Weitere Gutachtertätigkeiten

Auch Privatpersonen können einen Steuerberater mit einem Gutachten beauftragen – beispielsweise wenn sie vor Gericht gehen wollen oder sich vor Gericht verteidigen müssen. Außerdem können sie als Privatkunde ein betriebswirtschaftliches Gutachten in Auftrag geben, wenn sie ein Unternehmen besitzen, das in finanzielle Schieflage geraten ist. Man wird dann einen Steuerberater mit einem Gutachten beauftragen, das über die eventuelle Sanierungsfähigkeit Auskunft gibt. Auch Kreditinstitute brauchen gelegentlich aussagefähige Gutachten eines Steuerberaters. Als Sachverständiger für ein Kreditinstitut kann der Steuerberater tätig werden und eine fachkundige Einschätzung bestehender Vermögens-, Finanz- oder Ertragssituationen abgeben. Thema kann auch die zu erwartende bzw. befürchtende wirtschaftliche Entwicklung eines Kreditnehmers sein. Angesichts von guten Kreditversicherungen ist dieser Bereich aber im Rückgang begriffen – jedenfalls soweit eine Kreditversicherung abgeschlossen wurde. Gutachten von Steuerberatern verhelfen auch Firmengründern, Erben oder Investoren von Wirtschaftsunternehmen zu realistischen Einschätzungen der Situation. In bestimmten Einzelfragen des Steuerrechts kann ein Steuerberater genauso ein Gutachten erstellen wie zu Fragen der Bilanzierung, die den Rechnungslegungsvorschriften im Handels- und Steuerrecht unterliegen. Summa summarum: Gutachterliche Tätigkeiten gibt es im Berufsbild des Steuerberaters viele. Doch nicht jeder Steuerberater spezialisiert sich auf die Gutachtenerstellung. Möchte man als Privatperson ein Gutachten erstellen lassen, sollte man zunächst herausfinden, wer der kompetenteste Steuerberater dafür ist. Nicht ganz unwichtig ist auch die Kostenfrage. Für ein umfassendes Gutachten kann eine erhebliche Summe anfallen. Ausschlaggebend ist nämlich nicht nur die Zeit für die Erstellung des Gutachtens. In Rechnung gezogen wird auch der Wert des Gutes, das man begutachtet. Die Gebühren sind in einer Gebührenverordnung festgelegt, können sich aber im Laufe der gutachterlichen Tätigkeit zu einem hübschen Sümmchen aufaddieren.