Nachlassverwaltung

Der Bereich Nachlassverwaltung wird bei Steuerberatern meistens in Form von Zusatzqualifikationen abgedeckt. Seit 2008 dürfen Steuerberater diese Tätigkeit übernehmen. Sie war bis dahin Notaren und Rechtsanwälten vorbehalten. Als Testamentsvollstrecker dürfen Steuerberater nach entsprechender Qualifikation – beispielsweise zum Fachberater für Nachlassverwaltung und Testamentsvollstreckung – diese Dienstleistung erbringen.

Ordnen, was nachbleibt

Die im Testament niedergelegten Verfügungen eines Erblassers sind nicht immer ohne Probleme umzusetzen. Die Verfügung über die Nachlassgegenstände liegt zunächst beim Steuerberater, der als Testamentsvollstrecker fungiert. Er muss unter anderem ein vollständiges Verzeichnis der Nachlassgegenstände und aller ihm bekannten Nachlassverbindlichkeiten zusammenstellen. Kompliziert wird die Angelegenheit, wenn es um den Nachlass eines Unternehmens geht. Oftmals soll es weitergeführt werden, weil es das Lebenswerk des Firmengründers oder -inhabers darstellt. Davon abgesehen stellt es auch einen beträchtlichen Wert dar. Die Abwicklung der Übergabe kann in Händen eines Steuerberaters sinnvoll sein, wenn dieser bereits mit der Abwicklung der Steuerabrechnungen befasst war. Hier geht es um eine Dauertestamentsvollstreckung, die einen Steuerberater zuweilen vor unternehmerische Entscheidungen stellt. Diese Aufgaben erledigt er namens der Erben und nicht auf eigene Rechnung. Seine betriebswirtschaft­lichen und innerbetrieblichen Fachkenntnisse sprechen für diese Tätigkeit. Dazu addieren sich die im Berufsrecht festgelegte Verpflichtung zur Unabhängigkeit und die Pflicht zur Verschwiegenheit. Allerdings darf ein Steuerberater wegen der derzeit geltenden Rechtsprechung nur als vom Nachlassgericht bestellter Testamentsvollstrecker tätig werden.

Professionelle Nachlassverwaltung

Erben benötigen nicht unbedingt einen Testamentsvollstrecker. Im Grunde könnten die Nachfahren eines Verstorbenen die nachgelassenen Werte nach dessen Willen aufteilen. Doch meistens geht das nicht gut. Es kommt häufig zu Prozessen, weil jemand sich ungerecht behandelt fühlt. Nicht umsonst lag die Nachlassverwaltung lange in Händen von Rechtsanwälten und Notaren. Dass die Nachlassverwaltung nun auch in Händen eines Bankbeamten oder Steuerberaters liegen kann, hat Gründe. Zum Teil müssen beispielsweise für minderjährige Erben Konten eingerichtet werden. Bei der Verwaltung von Aktienpaketen, Depots oder Bundesschatzbriefen sind Bankbeamte als Testamentsvollstrecker hilfreich. Bei zu erwartendem juristischem Tauziehen sollte besser ein Rechtsanwalt eingeschaltet werden. Der Steuerberater hilft, wenn Vermögenswerte, Stiftungen oder Unternehmensanteile verwaltet werden sollen und der Fiskus nicht allzu sehr daran verdienen soll. Steuerberater können sich mittels einer Zusatzqualifikation und der Verfolgung aktueller Rechtssprechung fachkundig weiterbilden. Überlegen sollte man aber, ob man die Probleme einer Nachlassverwaltung tatsächlich zu seinem Lebensinhalt machen möchte. Den Antrag auf professionelle Unterstützung bei der Nachlassverwaltung stellen die Erben beim Nachlassgericht. Allerdings gilt: Auch Nachlassgläubiger können diesen Antrag stellen. Sinnvoll ist dieser Antrag immer dann, wenn Probleme befürchtet werden oder die Haftung der Erben für eventuelle Schulden auf den Nachlass beschränkt und nicht auf das Privatvermögen ausgedehnt werden soll. Übte beispielsweise der Verstorbene ein Gewerbe aus und die Erben wissen nicht, ob Schulden da sind oder ob das vorhandene Vermögen diese abdeckt, ist die Bestellung eines Nachlassverwalters überaus sinnvoll. Denn durch die Bestellung eines Anwalts, Steuerberaters, Bankbeamten oder Notars zum Nachlassverwalter ist sichergestellt, dass die Erben nicht für die eventuell verbleibenden Schuldenlasten des Verstorbenen in Haftung genommen werden. Die Nachlassgläubiger können eine Nachlassverwaltung beantragen, wenn sie Vermögenswerte für Gläubiger sicherstellen wollen. Ist aber ein Nachlass ganz offensichtlich überschuldet, darf man keine Nachlassverwaltung beantragen, sondern nur ein Nachlassinsolvenzverfahren. Stellen die Erben unmittelbar nach Kenntnis der Schuldenlage keinen Antrag auf ein Nachlassinsolvenzverfahren, haben sie Probleme zu befürchten. Nach Paragraf 1980 des Bürgerlichen Gesetzbuches haften sie dann nämlich selbst für alle Schulden aus dem Nachlass.

Wann die Nachlassverwaltung endet

Sobald ein Nachlassinsolvenzverfahren eröffnet wurde oder die Aufhebung der Bestellung durch das Nachlassgericht verkündet wird, ist der Steuerberater von seinen Pflichten gegenüber den Erben freigestellt. In diesem Fall wurde beispielsweise der Rest des Nachlasses nach Ausgleich der Schulden an die Erben übergeben. Alternativ dazu kann aber auch eine Deckung der Kosten, die durch Nachlassverwaltung gegeben sind, nicht gewährleistet sein.