Eigene Erfahrungen (Fallbeispiel)

Viele Menschen haben negative Erfahrungen mit einem Steuerberater gemacht. Foreneinträge im Internet lassen darauf schließen, dass es in diesem Berufsfeld viele Anlässe für Unzufriedenheit gibt. Man hat einem dazu berufenen Menschen seine finanziellen Daten anvertraut und dafür zu Recht persönliches Interesse, gute Erreichbarkeit, ausreichendes Engagement und inhaltliche Korrektheit erwartet. Stattdessen ist man oft mit mangelnder Erreichbarkeit und Termintreue, verbummelten Unterlagen, falschen Beratungen, unvollständigen Angaben, falschen Steuertipps oder gar versuchtem Steuerbetrug konfrontiert. Letzterer dürfte allerdings nicht ohne Wissen der Auftraggeber vorkommen.

Fallbeispiel: Schlechte Kommunikation und falsche Vorstellungen

Enrico D. ging zu einem Steuerberater. Er hatte sich gerade selbständig gemacht und meinte, dass er angesichts der vielen Arbeit Buchhaltung und Steuerabgaben abgeben sollte. Über seine zukünftigen Pflichten ließ er sich von seinem neuen Steuerberater aufklären. Es handelte sich um ein kleines Büro mit einem Steuerberater und einer Auszubildenden im ersten Lehrjahr. Herr D. wähnte sich in den Händen eines kompetenten Experten, der ihn von sich aus über alles Relevante aufklären würde. In der Folge gab es Missverständnisse und mangelnde Kommunikation. Einen Teil der Beratungsleistungen wollte Enrico D. per E-Mail abwickeln. Zu seinem Erstaunen stellte der Steuerberater die Beantwortung seiner Fragen als Steuerberatung in Rechnung und berechnete pro angefangener halber Stunde einen Satz von 35 Euro. Darüber hätte man kommunizieren müssen. Der Steuerberater hatte mit der Rechnungsstellung das Recht auf seiner Seite, denn es war tatsächlich eine Dienstleistung, die er nach den geltenden Honorartabellen abrechnen dufte. Geschickt wäre es aber gewesen, dem Mandaten gegenüber solche Rechnungsgepflogenheiten und die geltenden Tarife zu kommunizieren. Unerfahrene Mandanten strapazieren ihre Steuerberater mit Fragen, die sie mit Hilfe einer Suchmaschine oder eines Tarifvertrages selber lösen könnten. Enrico D. wollte beispielsweise von seinem Steuerberater wissen, wie viel Urlaubsgeld er seiner Angestellten zu zahlen hatte. Der verwies auf den geltenden Manteltarifvertrag, den man kostenpflichtig über die DATEV erhalten kann. Diese Antwort war korrekt. Enrico D. fühlte sich aber mit seinem Problem alleine gelassen und musste zudem für diese E-Mail-Anfrage zahlen. Er wollte daraufhin den Steuerberater wechseln. Ausreichend Anlass gab es dafür eigentlich nicht – wenn man davon absieht dass D. die Abrechnungen zu hoch fand. Daher bezahlte er sie auch nicht vollständig – woraufhin der Steuerberater sich weigerte, die Steuerunterlagen herauszugeben. Auch dies geschah mit vollem Recht. Der Herausgabepflicht dem Mandanten gegenüber steht nämlich ein Einbehaltungsrecht des Steuerberaters gegenüber, wenn der Mandant seine Rechnungen nicht oder nur teilweise bezahlt.

Ein Beispiel für Betrugsdelikte

Beihilfe zur Steuerhinterziehung ist eine Straftat. Gelegentlich liest man in der Tagespresse von einem nachlässigen Steuerberater, der zu einer Bewährungsstrafe verurteilt wird. Steuerberater sind für Beratungsleistungen oder die Richtigkeit von Steuerangaben haftbar. In diesem Falle hatten mehrere Personen den Fiskus mit Hilfe von Scheinfirmen um fast 30 Millionen Euro betrogen. In solchen Fällen ist zu untersuchen, ob und wie weit der Steuerberater in die Machenschaften eingeweiht war. Es genügt in solchen Fällen, wenn man Unstimmigkeiten oder Falschangaben bemerkt, aber nicht thematisiert. Wenn ein Steuerberater sein Honorar einstreicht, ohne seinen beruflichen Pflichten zu genügen, muss er auch die Konsequenzen tragen. Meistens suchen Mandanten einen Steuerberater ganz gezielt aufgrund bestimmter Vorab-Informationen auf. Sie zählen auf seine Verschwiegenheit, seine Trickkiste oder seine Loyalität gegenüber zahlungskräftigen Klienten. Wer keine Fragen stellt, kann so leicht in kriminelle Machenschaften verwickelt werden. Entstehen dadurch Steuerschäden, werden die Finanzbehörden den Fall so lange verfolgen, bis der entstandene Schaden gutgemacht wurde. Einen säumigen Steuerberater kann das die Lizenz kosten. Zusätzlich zur Schadensregulierung wird einem meist noch eine Strafe aufgebrummt. Ob dies eine Geldstrafe oder eine Haftstrafe mit oder ohne Bewährung ist, hängt von der Mittäterschaft ab. Hat man sich persönlich bereichert, sieht es anders aus als wenn man nur sein Honorar für tatsächlich erbrachte Leistungen einstrich.