Tipps: Wie man sich nicht übers Ohr hauen lässt

Ob man sich von seinem Steuerberater über’s Ohr gehauen fühlt oder diese Behauptung auch tatsächlich beweisen kann, sind zwei verschiedene paar Schuhe. In einer wissenschaftlichen Untersuchung über die Qualität der Arbeit von Steuerberatern wurde deutlich, dass diese sich selbst ganz anders wahrnehmen als die Mandanten, denen sie helfen sollen. Wenn ein Steuerberater einen nicht akkurat genug über anstehende Gewerbesteuerpflichten aufklärt, auch in Honorarfragen eher verschlossen wirkt und einem einen wichtigen Steuerspar-Tipp nicht vermittelt, darf man mit Recht misstrauisch werden.

Fachliche Kompetenz oder Inkompetenz?

Wie gut ein Steuerberater ist, ist eine interessante Frage. Wer Empfehlungsmarketing betreibt, empfiehlt seinen Steuerberater meist, weil dieser Tricks, Kniffe und Finten kennt, um dem Fiskus Geld zu entziehen. Ob es aber ein guter Rat ist, seine Gewinne nach Liechtenstein oder den Cayman Islands zu verlegen, ist heute eine gute Frage. Kein seriöser Geschäftsmann kann daran interessiert sein, einen windigen, aber trickreichen Steuerberater anzuheuern, weil dieser ihn in Konflikte mit dem Gesetz bringen könnte. In der Praxis werden solche Steuerberater aber hoch gehandelt. Dagegen steht, dass viele Mandanten unzufrieden mit den Kompetenzen ihrer Steuerberater sind und den Steuerberater wegen überhöhter Rechnungen oder anderer Umstände mindestens einmal wechseln. Man muss nur einmal im Internet stöbern, um über die alltäglichen Probleme mit Steuerberatern zu erfahren. Überhöhte Preise, mangelnde Termintreue, zu späte Rechnungsstellung, unvollständige Beratungsleistungen, verpasste Sparmöglichkeiten lauten die häufigsten Vorwürfe. Wichtig ist: Man kann seinen Steuerberater jederzeit wechseln und ihm wegen Misstrauen alle Vollmachten entziehen. Im Übrigen ist der Steuerberater bei Fehlleistungen haftbar zu machen. Ansonsten unterliegt jeder Steuerberater bestimmten Berufspflichten, die im Steuerberatergesetz festgelegt sind. Hat man den Verdacht, über’s Ohr gehauen zu sein, transferiert man seine alten Unterlagen zu einem anderen Steuerberater und lässt sie prüfen. Gegebenenfalls kann man dies auch rückwirkend vornehmen lassen. Man hat gegenüber dem alten Steuerberater einen Herausgabeanspruch. Er hat aber ein Zurückbehaltungsrecht, falls Sie noch Schulden bei ihm haben. Er unterliegt im Übrigen der vollen Haftung für alle Vermögensschäden, die sie ihm nachweisen können.

Unzuverlässigkeit, mangelnde Termintreue und andere Kalamitäten

Wer seinem Steuerberater grobe Unzuverlässigkeit, fehlende Steuerunterlagen oder mangelndes Interesse unterstellt, ist oft besser beraten, wenn er sich einen neuen sucht. Fehlende Mehrwertsteuern, falsche Spesenabrechnungen oder nicht abgeführte Gewerbesteuern können einen in große Schwierigkeiten bringen – aber ob man über’s Ohr gehauen wurde oder ob lediglich ein Versehen oder anderes Problem vorliegt, ist schwer festzustellen. Unter “über’s Ohr hauen” versteht man im allgemeinen eine Betrugsabsicht. Diese hat man nachzuweisen, damit man dagegen vorgehen kann. In jedem Fall ist zunächst das Gespräch mit dem betreffenden Steuerberater zu suchen, um die Sache zu klären. Fällt die Erklärung nicht zufrieden stellend aus, entzieht man ihm besser das Mandat. In Steuerkanzleien bekommt man oft bessere Beratungen und schnellere Termine als bei einem einzelnen Freiberufler mit einer Auszubildenden im Büro. Hier ist möglicherweise eine Überforderungssituation gegeben – oder aber, die Auszubildende bekam Aufgaben übertragen, die sie gar nicht selbständig hätte leisten dürfen. Bevor man einen Steuerberater wählt, sollte man sich nach Empfehlungen umhören und klarmachen, dass es einem um einen seriösen Steuerberater geht. Wo auch immer von geringen Kosten für Beratungsleistungen, renditeträchtigen Anlagemöglichkeiten oder windigen Steuersparmethoden geschwärmt wird, sollten sie hellhörig werden und die Finger davon lassen. Zahlen Sie lieber etwas mehr und wissen dann, dass sie juristisch und auch sonst auf der sicheren Seite sind. Dass auch ein Steuerberater gelegentlich einen absichtsvollen Betrug einfädelt, kann man im Internet nachlesen. In den meisten Fällen geht es um Beihilfe zur Steuerhinterziehung. Die geschieht aber kaum je ohne Wissen der Mandanten. Gott sei Dank sind solche Fälle aber eher selten. In den meisten Fällen fühlt man sich dank ungenauer Angaben bei der Abrechnung für seine Leistungen über’s Ohr gehauen.