Erbfolge (Unternehmen)

Unternehmensnachfolge

Wenn ein Unternehmer stirbt, führt das oft in die existentielle Unternehmenskrise. Studien belegen, dass etwa 10% aller Insolvenzen auf den unvorbereiteten Tod des Unternehmers zurückzuführen sind. Deshalb sollte jeder verantwortungsbewusste Unternehmer Vorkehrungen für den Fall seines frühzeitigen Ablebens treffen. Die erste und wichtigste Frage im Todesfall ist die nach dem geeigneten Nachfolger. Normalerweise kommt als erste Möglichkeit ein Nachfolger aus der Familie des Unternehmers in Frage. Findet sich in diesem Bereich niemand, kann ein Firmenfremder in Betracht gezogen werden, wenn er die nötige Qualifikation mitbringt. Im Falle einer Nachfolge innerhalb der Unternehmerfamilie, würde das Erbe auf eine Erbengemeinschaft übergehen. In diesem Fall kann eine Zersplitterung des Unternehmens stattfinden, die es handlungsunfähig machen kann. Deshalb ist es besonders wichtig, dass der Unternehmer zu Lebzeiten bereits im Testament seinen Nachfolger festlegt.

Erbschaftssteuer

Bei der Erbschaftssteuer existiert die Regelverschonung, auch Fünf-Jahres-Modell genannt. Die Erbschaftssteuer besteuert pauschal 15% des Betriebsvermögens. Nach der Verhaftungsregel muss der Erbe das Unternehmen mindestens für fünf Jahre weiterführen um die übrigen 85% des Unternehmens steuerfrei zu erben. Dabei spielen auch die Löhne eine Rolle. Sie müssen in der Summe mindestens 400% der bisherigen Lohnsumme betragen. Zur Berechnung der Lohnsumme werden die Löhne der letzten fünf Jahre vor der Veranlagung zur Erbschaftssteuer herangezogen. Hinzu kommt, dass das verwaltete Vermögen weniger als 50% betragen muss. Sonderregelungen gelten für kleine Unternehmen von weniger als 20 Mitarbeitern. In diesem Fall fällt die Lohnsummenklausel weg. Zusätzlich gilt ein Freibetrag bei der Regelverschonung von 150.000 Euro.

Pflichtteile

Pflichtteile sind in bar und sofort auszubezahlen. Diese Auszahlung kann die Liquidität des Unternehmens bedrohen. Der Berechnung der Pflichtteile wird der Verkehrswert statt des Buchwertes zu Grunde gelegt, was sich zusätzlich ungünstig auswirkt. Der Unternehmer kann im Testament die Reduzierung der Pflichtteile oder sogar deren Vermeidung festlegen. Er kann einen Pflichtteilsverzicht notariell erwirken. Würde er einen Erbverzicht anstreben, würden sich alle anderen Pflichtteile nur erhöhen. In den meisten Fällen wird ein Verzicht auf den Pflichtteil mit der Zahlung einer Abfindung für den verzichtenden Erben gelöst.

Schenkung mit Nießbrauch

Nach einer relativ neuen Gesetzesänderung werden sowohl vererbte als auch verschenkte Güter nach dem tatsächlichen Verkehrswert berechnet. Im Falle von Vererbung von Schulden, können diese, genau wie der Nießbrauch auch, mit der Steuer verrechnet werden. Aus dieser Regelung wird klar, dass ein Nießbrauch eine Möglichkeit darstellen kann, Steuern zu sparen. Das Eigentum an der Sache wird übertragen, sämtliche Erlöse aus dem Eigentum fallen dem ursprünglichen Besitzer bzw. Erben zu. Beim Nießbrauch ist es wichtig zu wissen, dass der steuerliche Vorteil größer ist, wenn das Eigentum in jungen Jahren überschrieben wird. Ein weiterer Vorteil des Nießbrauchs ist es, dass Regelungen aus dem Erbschaftssteuerrecht umgangen werden können, wie die Pflicht, den Betrieb mehrere vorgeschriebene Jahre durch den Unternehmensnachfolger fortführen zu müssen.

Tod eines Gesellschafters

Normalerweise enthält der Gesellschaftsvertrag Regelungen zur Erbfolge. Bei einer GmbH kann der Anteil des verstorbenen Gesellschafters entweder vererbt werden oder die verbliebenen Gesellschafter können den Geschäftsanteil des verstorbenen Gesellschafters einziehen. Den Angehörigen des Verstorbenen steht in diesem Fall eine Abfindung zu. Diese Abfindung darf nicht aus dem Stammkapital der GmbH entnommen werden.

Bei einer BGB-Gesellschaft hat der Tod eines Gesellschafters die Auflösung der Gesellschaft zur Folge. Das Vermögen der Gesellschafter wird in diesem Fall unter den Gesellschaftern aufgeteilt. Gegenteilige Lösungen können auch hier im Gesellschaftsvertrag geregelt werden, die das Weiterbestehen der Gesellschaft sichern können.

Beim Tod eines Gesellschafters einer KG oder einer OHG scheidet der Verstorbene automatisch aus der Gesellschaft aus. Seine Beteiligung an der Gesellschaft wird zum Nachlass gezählt und an die Erben ausbezahlt.

Stirbt ein Einzelunternehmer, so ist seine Firma komplett vererblich. Die Erben können in diesem Fall entscheiden ob sie die Firma weiterführen möchten.