Organisation/Sanierung (Unternehmen)

Steuerberater sind heute längst nicht mehr nur Menschen, die einem die Steuererklärung abnehmen und legale Steuertricks verraten. Natürlich gibt es auch heute noch den selbständigen Steuerberater, der sich vorwiegend mit solchen und ähnlichen Tätigkeiten befasst und sich nur eine Auszubildende zur Assistenz leisten kann. Daneben stehen aber große Sozietäten und Kanzleien, die sich mit einem weiten Feld an Tätigkeiten im verwandten Bereich befassen. Unter anderem werden auch Beratungs- und Coachingtätigkeiten vorgenommen, die sich auf Firmengründungen, Firmensanierungen, Insolvenzen oder ähnliches beziehen.

Organisationsberatung und ähnliches

Beratend kann ein Steuerberater in vielen Kontexten beschäftigt sein. Er unterstützt zum Beispiel Jungunternehmer bei Problemen der Existenzgründung, der Erstellung eines stimmigen und finanziell abgesicherten Unternehmenskonzepts oder bei der geplanten Unternehmensorganisation. In den ersten Geschäftsjahren kann er Existenzgründern als Betreuer und Coach helfen. Er kann helfen, eine sinnvolle Kalkulation zu erstellen oder Marketing-Aktivitäten auf ihre Kosten und Wirksamkeiten zu überprüfen. Steuerberater dieser Art kann man unterstützend heranziehen, wenn es um die Durchführung, Planung oder Budgetierung eines Unternehmens geht. Wichtig ist auch eine strategische Unternehmensausrichtung auf bestimmte Kundenkreise, Arbeitsbereiche oder Warengruppen. Zu einer umfangreichen Organisationsberatung kann auch der monatliche oder quartalsmäßige Soll-/Ist-Vergleich inklusive einer Abweichungsanalyse oder ein Betriebsvergleich gehören. Der wichtige Bereich des Kostenmanagements, der Betriebsabläufe oder der EDV-Abwicklung kann zu den Aufgaben solcher Steuerberater gehören. Auch bei Investitionsentscheidungen kann man einen solchen Fachmann hinzuziehen, um keine Fehler zu machen oder unwirtschaftlich zu denken. Man kann Investitionsplanungen durchrechnen lassen, um die Sinnvollste auszuwählen. Dem Steuerberater obliegen auch Analysen von Erfolgsrechnungen sowie Jahresabschlüssen. Er erarbeitet und schlägt bestimmte betriebswirtschaftliche Kennzahlen vor oder organisiert einen Verkauf von Firmenanteilen auf der rechnerischen und steuerlichen Seite. Das Gleiche gilt natürlich erst Recht beim Kauf von Firmen, die man einem Unternehmen einverleiben möchte. Vor den Kauf stellt der umsichtige Unternehmer die Investition in eine Bewertung und Analyse des zu geplanten Kaufobjektes.

Steuerberater und Unternehmenssanierung

Steuerberater sind auch in Sachen Insolvenzvermeidung, Unternehmenssanierung und Existenzsicherung unter schwierigen Bedingungen beschäftigt. Hier geht es in Zusammenarbeit mit anderen Institutionen um Umschuldungen oder die Gründung von Auffang-Gesellschaften, subventionierte Kreditlösungen oder umfassendes Krisenmanagement. Spätestens die Banken- und Finanzkrise hat uns nachhaltig vor Augen geführt, wie schnell für sicher Gehaltenes ins Wanken geraten kann, wenn bestimmte Umstände zusammentreffen. Nicht nur große Banken, auch Unternehmen jeder Größe sind mit ins Wanken geraten. Oft sind es aber auch Probleme wie mangelnder Cash Flow, fehlende Rücklagen, Investitionsstaus oder die zunehmende Zahlungsresistenz von Kunden, die ein Unternehmen in Schieflage bringen. Hinzu kommt, dass die Krise oft mit falschen Maßnahmen angegangen oder gar ignoriert wird. Frühzeitiges Reagieren kann aber viel nützen. Ohne fachmännische Hilfe schafft man es meistens nicht. Der Steuerberater beugt der eventuellen Existenzvernichtung vor und hilft bei der Sanierung der Firma. Krisen erkennt man an drohender Zahlungsunfähigkeit, zu vielen offenen Rechnungen oder einer bilanziell belegbaren Überschuldung. Für die Sanierung sind Analysen zwar wichtig. Wichtiger noch ist aber die tatsächliche Existenzrettung durch gezielte Maßnahmen. Es geht um schnelle und geplante Schuldenregulierung, die Verhinderung der Insolvenz durch Stundungsvereinbarungen, das Aushandeln so genannter Teilerlasse oder den Versuch einer außergerichtlichen Schuldentilgung im Rahmen eines Gläubigererlasses. Außerdem muss meist die Liquidität verbessert werden, es geht um langfristige Umfinanzierungen, um die Optimierung unwirtschaftlicher Betriebsabläufe, um Kostenersparnisse, die eventuelle Verkleinerung und Straffung des Unternehmens, um Umsatzsteigerungen oder eine eventuelle Unternehmensnachfolge durch jüngere Führungspersönlichkeiten oder geeignete Manager. Bei zu langem Zögern kann eine Insolvenzabwendung misslingen. Ist erst einmal ein Insolvenzverwalter eingesetzt, muss man sich womöglich der Verschleppung und versuchten Verschleierung der Insolvenz beschuldigen lassen und gegebenenfalls strafrechtlich dafür haften. Der Gang zum Steuerberater sollte bereits bei den ersten Anzeichen einer Unternehmenskrise erfolgen. Die Investition lohnt sich angesichts der dramatischen Folgen, die eine Unterlassung nach sich ziehen kann, auf jeden Fall.